Dimensionen im fließenden Raume. 19 und der Zeit um die Prinzipien einer allgemeinen Erscheinungs- lehre. Statt also von einem Raumpunkt A。 zu sprechen, verlege ich in diesen Punkt eine beliebige punktuelle sinnliche Erschei- nung, der ich eine bestimmte Dauer in der Zeit zuschreibe. Um diese Vorstellung für die Phantasie zu fixieren, nehme ich in dem Jetztraume R。 einen, sagen wir, rotleuchtenden Punkt A, an, den ich mir bewegungslos denke. Schreiten wir zu den Räumen R₁, R₂..., die den Zeitpunkten t₁, t₂... entsprechen, fort, so er- halten wir in jedem dieser Räume einen neuen sinnlichen Ein- druck, eine neue Empfindung jenes leuchtenden Punktes, und es ergibt sich uns auf solche Weise eine Reihe von Empfindungen A₁, A..., die zeitlich aufeinanderfolgen, und von denen jede alle Vorgänger verdeckt. An die Stelle der Zeitprojektionen eines Raumpunktes treten demnach die Erinnerungsempfindungen, die der leuchtende Punkt in unserem Bewußtsein veranlaßt. Die letzte dieser Empfindungen verdeckt immer alle ihre Vorgänger, und dieses Verdecken ist ein unabwendbares, wenn wir nur nicht unsere Aufmerksamkeit von dem besagten Punkte ablenken. Wir drücken die Tatsache des Verdeckens auch so aus, daß die einzelnen Empfin- dungen A。, A₁, A... alle in eine einzige Gesamtempfindung des leuchtenden Punktes zusammenfließen. Gewöhnlich besinnen wir uns gar nicht darauf, daß die Empfindung des leuchtenden Punktes aus einer ganzen zeitlichen Reihe von Empfindungen entstanden ist; würden wir aber an den Begriff des fließenden Raumes ge- wöhnt sein, so wäre uns sofort klar, daß wir in der Wahrnehmung jenes ruhenden leuchtenden Punktes eine kontinuierliche zeitliche Reihe von einzelnen Empfindungen zusammenfassen. Das Verdecken oder Zusammenfließen der einzelnen Empfin- dungen A, A1, A2... ist nur ein anderer Ausdruck für die Un- möglichkeit, dieselben in der unmittelbaren Wahrnehmung von- einander zu sondern. Gerade in dieser Unmöglichkeit liegt aber der Antrieb, die Empfindungen A。, A1, A2.. in eine Gesamt- empfindung, die ich kurz A nennen will, zusammenzufassen. Das Zusammenfließen der zeitlichen Empfindungsreihe in eine Empfin- dung liefert erst die Möglichkeit, den leuchtenden Punkt mit sich selbst zu identifizieren. Wir erkennen den leuchtenden Punkt A als diesen selben leuchtenden Punkt erst dadurch, daß die Reihe der Erinnerungsempfindungen, die er veranlaßt, in eine Empfin- dung zusammenfließt oder, was dasselbe besagen will, daß wir die Reihe seiner Zeitprojektionen A, A1, A2 . . . in einen Raumpunkt A zusammenfassen. Das Zusammenfassen einer Mannigfaltigkeit in eine Einheit ist aber als Denkfunktion betrachtet nichts anderes als ein Urteil. In dem Zusammenfließen der Zeitprojektionen A。, A₁, Ag... zu einem Raumpunkt A liegt also für unser Denken die Anregung zur Bildung eines Urteils, und zwar jenes Urteils, 2*