Dimensionen im fließenden Raume. 17 Raum hat nur in bezug auf die Zeit Dimensionen, und wenn wir dem Raume eine Dreizahl von Dimensionen zuschreiben, so hat diese Dreizahl nur in bezug auf die Zeit einen Sinn. Allerdings hätten wir auch von der Dimension der Zeit keinen Begriff, wür- den wir sie nicht auf den Raum beziehen und im Raume veräußer- licht auffassen, aber da die Zeitdimension sich in dieser Veräußer- lichung verdreifacht, so ist es nur allzu begreiflich, daß wir bei der Untersuchung des Dimensionsbegriffes von der Zeit, nicht aber vom Raume ausgehen, gerade so wie wir das Zählen nicht mit der Dreizahl, sondern mit der Eins beginnen. Wir können das Gesagte auch so zusammenfassen, daß Raum und Zeit in der Frage nach der Dimension sich so verhalten, wie der Zähler und der Nenner eines Bruches. Wie nun der Begriff des Bruches keinen Sinn hat ohne die wechselseitige Beziehung des Zählers und des Nenners zueinander, so verliert auch der Begriff einer Dimension jeden Inhalt, wenn wir die wechselseitige Beziehung von Raum und Zeit außer acht lassen. Also kann der Begriff der Dimension nur in dem fließenden Raume festgesetzt werden, weil ja der fließende Raum nichts anderes ist als der deutlich gefaßte Aus- druck von der wechselseitigen Beziehung des Raumes und der Zeit. Wie nun ferner der Charakter eines Bruches in erster Reihe durch seinen Nenner bestimmt ist, so wird auch die Frage nach der Dimension in erster Reihe mit Rücksicht auf die Dimension der Zeit zu lösen sein. - 13. Das psychische Phänomen des Verdeckens. Im fließenden Raume wird der durch einen Raumpunkt zie- hende Zeitstrahl als die Darstellung einer Dimension gelten müssen. Mit anderen Worten: Die Mannigfaltigkeit von Zeitpunkten, die wir im Raumpunkte zusammenfassen, repräsentiert uns eine Di- mension. Die Grundbeziehung ß) zwischen Raum und Zeit ent- hält somit zugleich die Definition des Dimensionsbegriffes. Erst diese Definition des Dimensionsbegriffes läßt uns den wesentlichen Inhalt desselben erkennen. Es liegt nämlich in un- serem Zeitbegriffe, daß der gegenwärtige Augenblick alle vergan- genen und alle zukünftigen Momente des Zeitenlaufes in unserem Bewußtsein verdeckt. Gerade dieses Verdecken aber ist der Hauptbestandteil des Dimensionsbegriffes. Unsere Überlegung sagt uns zwar, daß dem Jetzt unendlich viele Zeitpunkte der Ver- gangenheit vorangegangen sind, und daß ihm unendlich viele Zeitpunkte der Zukunft folgen werden, in unserer wirklichen, un- mittelbaren, sinnlichen Wahrnehmung aber ist alle Vergangenheit und alle Zukunft durch den Jetztpunkt der Zeit verdeckt, den wir, weil wir die Beziehung auf den Raum nicht fallen lassen dürfen, in den Hierpunkt des Raumes verlegen müssen. Der in den Hier- Palágyi, Weltmechanik. 2