Die Unentwickeltheit unseres Zeitbegriffes. 13 die Berechtigung, ja die Notwendigkeit, die Zeitlinie in Form einer Geraden darzustellen. Ich werde deshalb von nun an die Zeitlinie, die durch den Raumpunkt A, geht, den diesem Punkte zugeordneten Zeitstrahl nennen. 10. Weshalb man dem Zeitstrome nicht irgendeine Richtung zuschreibt? Wenn man aber den Zeitstrom durch eine gerade Linie dar- stellt, so fragt es sich weiter, weshalb wir dieser Linie keine Rich- tung zuschreiben? Eine jede gerade Linie im Raume hat nämlich eine bestimmte Richtung, die wir in einem positiven oder um- gekehrt in einem negativen Sinne durchzulaufen vermögen. Was den Zeitstrahl betrifft, kann man ihn zwar gedanklich sowohl im positiven als auch im negativen Sinne durchlaufen, denn setzen wir z. B. fest, daß die Bewegung von dem Jetztpunkte nach der Zukunft hin als positiv gilt, so wird das Zurückgreifen in die Ver- gangenheit wohl als negativ gelten müssen; doch von einer Rich- tung des Zeitstrahls, analog der Richtung von Raumstrahlen, kann, wie jedermann es fühlt, gar keine Rede sein. Der Grund davon ist, daß wir allen Zeitstrahlen eine gleiche Richtung zuschreiben. Wir denken uns einem jeden Raumpunkte einen Zeitstrahl zugeordnet und betrachten ihre Gesamtheit als ein paralleles System von Strahlen. Da nun Richtungsunterschiede zwischen den Zeitstrahlen nicht vorkommen, so erachten wir es für völlig überflüssig, von einer Richtung derselben zu sprechen. Es ergibt sich dann aber die Frage, mit welcher Berechtigung wir die Gesamtheit der Zeitstrahlen für ein paralleles System er- klären? Um diese Berechtigung nachzuweisen, nehmen wir im Raume R。 zwei beliebige Punkte A。 und B。 an, die durch die Gerade (A,B) verbunden werden können. Schreiten wir zu den Räumen R1, R2, R3... usw. fort, so erhalten wir die Zeitprojek- tionen A1, B1, A2, B2, A3, B¸... usw. der beiden Punkte; zugleich aber auch die Zeitprojektionen der Geraden (ÂÂ。), die da sind: (A₁B₁), (A₂ B₂), (AB) usw. Diese verschiedenen Zeitprojektionen der Geraden (A,B) fallen jedoch in der wirklichen Anschauung in eine Gerade zusammen, und es sind die Strecken (A,B), (A₁B₁), (A,B) usw. alle einander gleich, weil ja die Punkte A, und Bo des Raumes im Verlaufe der Zeit nie ihre Entfernung verändern. Die Folge davon ist, daß die Zeitstrahlen, die durch die zwei Punkte gehen, immer in gleicher Entfernung bleiben, also einander par- allel sind. Der Parallelismus der Zeitstrahlen bedeutet demnach nichts anderes, als daß zwei Punkte des Raumes im Verlaufe der Zeit nie ihre Entfernung verändern können. Dies ist es, was man die absolute Starrheit des Raumes zu nennen pflegt, und diese absolute Starrheit drückt sich in bezug auf die Zeit